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23.02.06 15:34 Alter: 11 yrs

Studentische Lebenskultur pur

Von: You See / Ellen Pallasch

Ein Gemeinschaftsprojekt von 15 Studierenden verleiht der Uni-Kultur einen lebendigen Mittelpunkt: Die "Pony Bar" vereint Cafébetrieb und Kulturprogamm

Biss und Energie sind die Grundvoraussetzungen für jeden Regisseur. Schließlich ist er gefordert, ein neues Projekt in Gang zu bringen. Falk Hoquél ist Theaterregisseur, und als Geschäftsführer der Pferdestall Kultur GmbH kommt ihm nun das zugute, was er bereits an den Theaterbühnen geleistet hat. Doch der 34-Jährige legt größten Wert darauf, das Pferdestall-Projekt als Gemeinschaftsprojekt zu bezeichnen, an dem die 14 angehenden Biologen, Physiker, Betriebswissenschaftler, Juristen, Mediziner und Architekten gleichen Anteil haben.

Spielstätte für Kulturtreibende

Seit fünf Jahren leben und arbeiten Sie für die Idee, aus dem Innenhof am Allendeplatz ein Kulturzentrum zu machen, mit allem, was dazu gehört: Theater, Musik, Tanz, Literatur, bildende Kunst. Nun ist der Traum wahr geworden: Im Juni hat die "Pony Bar" ihre Türen geöffnet, die der Uni-Kultur einen lebendigen Mittelpunkt verleihen soll. Tagsüber Cafébetrieb, abends Bar mit wechselndem Programm: montags DJs und Live-Bands, mittwochs Live Jazz und sonntags Spannendes mit dem "Tatort"-Club für Hobbydetektive im Hinterzimmer.

"Eine Mischung aus Mojo Club und Kampnagel, die alle Studierende der Hamburger Hochschulen vereint", sagt Falk Hoquél. Anders gesagt: Ein Forum für studentisches Engagement und eine Spielstätte für Kulturtreibende. Die Verbindung zwischen Gastronomie und Kultur sei typisch für ein Projekt dieser Art. Da sich das eine aus dem anderen finanziere, sei man auf Subventionen nicht angewiesen, erklärt der Geschäftsführer über das "Wirtschaftsunternehmen", das sich demnach selbst trägt.

Die Pferdestall Kultur GmbH ist nach dem Gesellschaftervertrag ein privatwirtschaftliches Unternehmen. Zwar hat sie einen kulturellen Auftrag, die notwendigen finanziellen Mittel dafür müssen aber im Gastronomiebetrieb eingenommen werden. Auch die regulären Kosten für die genutzten Räume, ob in der "Pony Bar", dem Pferdestall oder dem Audimax, muss die GmbH erwirtschaften ? keine leichte Aufgabe.
Die Universität hat sich über ihre Tochter, die Universität Hamburg Marketing GmbH, am Pferdestall-Projekt beteiligt. "Die Universität nimmt den gesetzlichen Auftrag ernst, studentische Kulturarbeit zu ermöglichen und zu fördern", sagt Prof. Dr. Holger Fischer, Vizepräsident der Universität. "Angesichts unserer finanziellen Situation sind wir aber nicht in der Lage, dies selbst zu leisten. Wir sind deshalb sehr froh über diese studentische Initiative." Ein Kulturbeirat der Universität wurde als Schnittstelle zum Präsidium eingerichtet, hilft bei möglichen Konflikten und stellt sicher, dass das Pferdestall-Projekt auf dem kulturellen Weg im Sinne der Universität bleibt.

"Für die Betriebskosten des Kulturzentrums zahlt die Universität keinen Cent dazu", stellt Fischer klar. Acht Studierende haben die Pferdestall Kultur GmbH gegründet und betreiben das Zentrum. Sie halten 75 Prozent des Stammkapitals von 70.000 Euro, die restlichen 25 Prozent hält die Universität. Das Geld haben die Studierenden von ihren Sparbüchern abgehoben oder sich bei ihren Eltern geliehen und in die aufwendige Renovierung des Cafés gesteckt. Mit Flohmarkt-Möbeln aus den 60ern und Glastüren, die direkt an den Allendeplatz anschließen und dem Café ein sonniges Flair verleihen, fühlt man sich sofort wohl in der "Pony Bar" ? Wohnzimmer-Atmosphäre pur.

"Die Pony Bar ist aber nur der erste Teil unseres Traums", verrät Falk Hoquél. Im Sommer 2005 steht das größere Projekt auf dem Plan der selbsternannten "Pferdemägde und Stallknechte": Die Sanierung des Innenhofs des Pferdestalls, der mit einem Glasdach überspannt ist und Platz für Veranstaltungen mit bis zu 800 Menschen bietet. Die Kosten für die Sanierung des Glasdaches belaufen sich nach Rechnungen des Geschäftsführers auf rund 350.000 Euro. Zur Finanzierung dieses ehrgeizigen Vorhabens ist man auf Hilfe durch Sponsoren und Partner angewiesen.

Trotz aller Kritik, der sich die Initiatoren des Projekts Pferdestall in den vergangenen Monaten erfolgreich gestellt haben ? die Studierenden haben ihr Ziel klar vor Augen: "Wir bringen studentische Lebenskultur wieder an die Uni, also zurück ins Zentrum des Geschehens", sagt "Pferdeknecht" Sebastian Grundke, der Kunstgeschichte studiert und wie seine Kommilitonen mit einer großen Portion Idealismus an das Gemeinschaftsprojekt herangeht.

Motivation durch Gemeinschaftssinn

Die Gemeinschaft ist es wohl auch, die das Team motiviert. "Wir verbringen viel Zeit miteinander und ergänzen uns durch unsere unterschiedlichen Interessen und Hintergründe", sagt der 24-Jährige. Ob Öffentlichkeitsarbeit, Internetauftritt, Booking oder Finanzen ? jeder der Studierenden hat bei diesem Projekt eine Aufgabe, in die er sein ganzes Engagement steckt.

http://www.uni-hamburg.de/uc/ys_04_04/studium/ponybar.htm