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14.02.08 10:56 Alter: 9 yrs

Hamburgs Klubkultur zu Grabe getragen

Von: Hamburger Abendblatt // bir

HAMBURG - Gefehlt hätte nur noch der Regen. Aber mit Eiseskälte und grauem Himmel bot Hamburg gestern schon ausreichend jene Witterung, die gemeinhin Beerdigungswetter genannt wird. Gute Bedingungen also für eine Protestaktion der morbiden Sorte. Verzweiflung schürt Zynismus. Und so trafen sich Schlag elf vorm Rathaus 30 Betreiber hiesiger Musikklubs, um symbolisch die selbst geschaffene Kultur zu Grabe zu tragen.

Als Todesursache für anspruchsvolles Programm auf Hamburgs Pop- und Rock-Bühnen wurde in zuvor geschalteten Traueranzeigen der "aussichtslose Kampf gegen die deutsche Regelwut" diagnostiziert. Und so versammelten sich, stilecht in Schwarz, Vertreter legendärer Läden wie Markthalle, Molotow und Pudel Klub, aber auch jüngerer innovativer Orte wie dem Uebel & Gefährlich.

Mehr Freiräume, ein Kultur-Leitbild für die Reeperbahn, Abschaffung der Stellplatzabgabe, niedrigere Gema-Tarife - so lauteten einige der Forderungen gen Politik. Bevor diese jedoch mit Thesen-Hammer an die Rathaustür geschlagen wurden, fand sich mit der Telemann-Gedenkplatte ein idealer Platz zur Kranzniederlegung. "Hamburg vergisst gern seine Heroen, das passt zu uns", erklärte Karsten Schölermann vom Knust via Megafon (das zuvor vom Ordnungshüter auf die niedrigste Lautstärke geregelt wurde). Vor 25 Jahren habe es eine ähnliche Trauerfeier gegeben, als das Onkel Pö's vor der Pleite stand. Als Reaktion wurde die Klubprämie eingeführt.

Staatsrat Detlef Gottschalk bot an, sich mit den Klubs an einen Tisch zu setzen. Und auch die GAL befasst sich (erneut) mit dem Thema. Bürgerschaftsabgeordneter Farid Müller zieht Freitag ab 22 Uhr mit der Bundesvorsitzenden Claudia Roth um die Häuser. Aktiv feiern - auch eine Art der Förderung.