Home

Pressearchiv

14.09.04 16:17 Alter: 13 yrs

Stimmen der Stadt aus Afrika, Indien und dem Orient

Von: Die Welt

Hannes Wienert schaut versonnen an die Decke. Vor seinem inneren Auge zieht wohl gerade eine Karawane die alte Gewürzhandelsstraße entlang. Wenn Astrid Ruth Griebenow liest, ist der Orient nicht weit. Ihre Stimme ist weich und die Musik von Wienerts Blasinstrumenten lässt vergessen, dass man sich immer noch in dem kleinen Raum hinter der lärmenden Pony-Bar mitten in Hamburg befindet. Arabische Beduinenklänge und pakistanische Schlangenbeschwörer-Rhythmen, verknüpft mit Gedichten aus Indien, Ägypten, Persien und der Türkei, lassen den Duft von Curry und Nelken in die Nase steigen. Ihre "Erlebnis-Textperformance" bildete den Abschluss der dreitägigen "Literatur der Kulturen"-Lesetage, die unter der organisatorischen Leitung von Barbara Heine (unter anderen) standen. Vom 10. bis 12. September lasen Schriftsteller, Journalisten und Künstler im Rahmen des Karnevals der Kulturen auf dem Universitätsgelände, das zum zweiten Mal in Hamburg zur Stätte interkultureller Begegnungen wurde. Ein Podium für viele neue, interessante Stimmen, die ihre kulturelle Identität und Sichtweisen, ihre Träume und Lebensgefühle offenbarten, oft im Dialog zum Publikum. Jenseits politischer Debatten sind in die deutsche Sprache und Literatur schon lange Stimmen aus vielen fremden Ländern eingewandert, die sich den Erfahrungen "Fremd sein - sich zu Hause fühlen" auf neue, überraschende Weise nähern. So las unter anderen die deutsch-iranische Autorin Sudabeh Mohafez aus ihren poetischen Erzählungen "Wüstenhimmel, Sternenland" von der Gewalt der Männer und der Geduld der Frauen. Maxwell Sibanda, Kulturjournalist aus Simbabwe, der mit einem Stipendium für politisch Verfolgte in Hamburg lebt, berichtete über den Missbrauch der Medien durch die Regierung in seiner Heimat. "Stimmen der Stadt" war ein immer wieder überraschendes Hör-Vergnügen. Die internationalen O-Töne gaben an diesem Wochenende einen faszinierenden Einblick in unsere gemeinsame kulturelle Identität.